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Tomek Pauer – ein ganz Großer geht

In seinem letzten Spiel entscheidet die LSK-Legende das Finale

Artikel vom 25. Mai 2026

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    Würde man die LSK-Story des Tomek Pauer mit dem unfassbaren, tränenreichen Happyend als Drehbuch beim Film einreichen, bekäme man wohl eine Ablehnung: zu unrealistisch, zu kitschig! Doch genau dieses Fußballmärchen hat sich am Samstag in der Realität von Barsinghausen zugetragen, als der LSK nach einem 0:3-Rückstand noch siegte. In seinem letzten Spiel für den LSK hat Tomek erst eine Riesenpartie abgeliefert und dann den letzten, entscheidenden Elfmeter zum Pokalsieg verwandelt. In seinem letzten Spiel. Mehr Drama, mehr Happyend geht nicht!

    „Der Fußball und der LSK waren mein Leben“

    Tomek war auch heute, am Pfingstmontag, noch geflasht von den Erlebnissen am Samstag. Mit welchen Gefühlen geht er? „Es ist ein ganz komisches Gefühl, der Fußball und der LSK waren mein Leben. Dass jetzt ein neuer Lebensabschnitt beginnt, muss ich erst noch realisieren. Aber es gibt ja gute Gründe, warum ich aufhöre. Ich habe diese Entscheidung schon länger mit klarem Kopf getroffen. Es ist der richtige Zeitpunkt nach fast zehn Jahren LSK. Nun bekommt meine Familie mehr Zeit, sie hat lang genug zurückstecken müssen. Jetzt ist Zeit für Dinge, die bisher nicht möglich waren.“ 

    Seine Familie, das ist Ehefrau Nina, mit der er seit acht Jahren zusammen ist, das sind die beiden Kinder, drei und anderthalb Jahre alt. Sie haben Tomeks Fußballleben mitgetragen. Auch seine Eltern, die seit 2015 Stammgäste bei allen LSK-Spielen waren. „Sie sind Fans geworden, werden weiter beim LSK zuschauen, auch ohne mich“, ist Tomek sicher. 

    „Wunderbare Gemeinschaft im LSK“

    Tomek Pauer denkt gern an seine Zeit beim LSK zurück: „Ich erinnere mich an Phasen, als wir totgesagt waren und trotzdem – durch Zusammenhalt – den Klassenerhalt geschafft haben. Ich denke an Pokalspiele gegen Rehden und Osnabrück, an das DFB-Pokal-Spiel gegen Mainz. Aber es sind eigentlich nicht einzelne Ereignisse, die mich so positiv an den LSK erinnern – es ist die tolle Gemeinschaft. Die hatten wir bei allen LSK-Mannschaften, aber in der letzten Saison war es nochmal eine Steigerung. Dazu gehören unser großartiger Vorstand, das fantastische Trainerteam, die tollen Fans und die vielen Ehrenamtlichen, die alle zu dieser wunderbaren Gemeinschaft im LSK beitragen. Das haben nicht alle Vereine. Ich habe mich hier nie wohler gefühlt als in dieser Saison!“

    Wen wird er besonders vermissen? „Viele, aber natürlich vor allem meine langjährigen Mitspieler Stefan Wolk, Marian Kunze, Nico Hübner und Malte Meyer. Wir haben so viel miteinander erlebt.“

    „Es war ein gemalter Tag“

    Das letzte ganz große Erlebnis hatte sich Tomek für Samstag aufgehoben. Matchball im Pokalfinale! Wie war es, als er zum letzten Elfmeter ging? „Ich wollte ja gar nicht schießen. Aber als Arne den vorletzten Elfer gehalten hat, bin ich nach vorne gegangen. Ich war mir sicher, dass ich den verwandele. Ich hatte einen klaren Plan: bei dem großen Torwart flach in die Ecke. Aber die Meter von der Mittellinie bis zum Elferpunkt habe ich wie im Film erlebt.“

    Ein Film mit grandiosem Happyend! „Das habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Fast schon kitschig, dieses Ende. Es war ein gemalter Tag. Meine ganze Familie war da, sogar mein Opa. Das war sehr emotional. Ich hatte Tränen in den Augen. Ein Traum-Abschied!“

    „Tomek war so wichtig für uns“

    Zugleich betrübt dieser Abschied viele im Verein. LSK-Vorsitzender Raphael Marquardt: „Das ist richtig schade! Denn Tomek ist ein echter LSKner. Er war so wichtig für uns, mit seiner Mentalität und seinen überragenden Leistungen. Dieser Abschied ist so, als würde ein Familienmitglied nach Australien auswandern.“ 

    Gibt es noch ein Fünkchen Hoffnung, dass er weitermacht? Marquardt: „Nein. Wir haben in den vergangenen Monaten immer wieder versucht, Tomek noch umzustimmen. Aber er hat uns schon im Vorjahr gesagt, dass er nur noch eine Saison spielt. Seine Entscheidung steht – und das respektieren wir. Der Aufwand ist für ihn familiär und beruflich einfach zu groß geworden.“

    Wer soll die Lücke füllen? „So einen wie Tomek verliert man nicht gerne. Es wird schwierig, ihn zu ersetzen, aber wir werden es versuchen. Ich hoffe, dass Tomek mal bei unseren Spielen vorbeischaut“, wünscht sich Marquardt.

    Gibbah: „Ich habe von Tomek gelernt“

    LSK-Trainer Tarek Gibbah, der ein Jahr mit Tomek verbrachte, ist traurig und dankbar zugleich „Mit Tomek Pauer verlässt uns nicht einfach nur ein Spieler – sondern eine absolute Institution des LSK. Tomek ist über Jahre hinweg vorangegangen und hat auf wie neben dem Platz Verantwortung übernommen. Er bringt einfach alles mit, was einen Führungsspieler auszeichnet: fußballerische Qualität, Mentalität, Leidenschaft und den unbedingten Willen, immer voranzugehen. Er war Lautsprecher auf dem Platz, hat Mitspieler mitgerissen und war neben Marian Kunze ein verlängerter Arm des Trainerteams. Genau solche Typen machen Mannschaften erfolgreich und besonders. Natürlich haben wir alles versucht, Tomek von einem Verbleib zu überzeugen. Am Ende müssen und werden wir seine nachvollziehbare Entscheidung aber akzeptieren.“

    Und Gibbah findet noch ein paar ganz persönliche Worte: „Mich macht mich sein Abschied unglaublich traurig. Gleichzeitig bin ich aber auch extrem stolz und dankbar, dass ich dieses gemeinsame Jahr noch mit ihm erleben durfte. Man sagt oft, dass Spieler von Trainern lernen. Aber das ist nie eine Einbahnstraße. Auch wir Trainer lernen von bestimmten Spielern – und Tomek ist definitiv einer dieser Spieler, von dem ich enorm viel mitgenommen habe. Solche Persönlichkeiten bleiben einem weit über die gemeinsame Zeit hinaus in Erinnerung.“

    Kunze: „Der Abschied tut weh“

    LSK-Kapitän Marian Kunze fällt der Abschied von Tomek ganz schwer. Er hat lange mit ihm zusammengespielt und sagt: „Der Abschied ist für mich eigentlich immer noch unvorstellbar. Tomek war immer dabei, er hat immer alles gegeben, wollte immer gewinnen, selbst im Training. Er ist ein echter Teamplayer und hat jetzt wohl die beste Saison seines Lebens gespielt. Umso mehr tut der Abschied weh. Wir verlieren einen Topspieler. Ich habe es ihm so sehr gegönnt, dass er diesen Abschied wie aus dem Drehbuch bekommen hat. Das hat er zu 100 Prozent verdient. Tomek ist eine LSK-Legende. Ich werde ihn sehr vermissen.“ 

    Eine Legende des LSK

    Tomek Pauer, der am kommenden Donnerstag seinen 32. Geburtstag feiert, steht ab sofort in der Hall of Fame des LSK neben Legenden wie Rainer Zobel, Karsten Wagner und Ralf Sievers.

    Ein ganz Großer des LSK geht. Lieber Tomek, vielen, vielen Dank für alles, was Du für unseren Verein getan hast. Das werden wir nicht vergessen. Wir wünschen Dir wunderschöne Jahre im Kreise Deiner Familie. Und: Man sieht sich hoffentlich mal beim LSK! Mach’s gut, Tomek!

    Unten seht Ihr nochmal viele Bilder der LSK-Legende Tomek Pauer, da tauchen auch etliche Mitspieler aus vergangenen LSK-Tagen auf.

    Text: Jürgen Poersch

    Fotos: Charlotte Hoppe, Jürgen Poersch, Stefan Großmann